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Geographie und Geologie
Die Büchsen der Pandora. Migration und Flucht in Afrika, dem Nahen Osten und Europa seit 1990
Hussein Almohamad, Sani Ibrahim und Dr. rer. nat Prof. h.c. (Cluj) Erhard Schulz

Zwei Migrationsperioden sind im Nahen Osten und in Nord-Afrika zu unterscheiden. Einerseits die organisierte Migration aus Indien, Pakistan und Bangladesh seit den 1960er Jahren sowie die aus Palästina, Syrien oder Jemen in die Golfstaaten und Nordafrika und andererseits die rezente Entwicklung von Flucht und Migration. Zwei Ereignisse sind dafür verantwortlich. So kam es seit 1990 zur Zerstörung oder zum Zerfall staatlicher Strukturen in Europa, im Nahen Osten und in Afrika (zweiter Golfkrieg, Zerfall der Sowietunion, Kriege/Bürgerkriege in Algerien, in den Sahelstaaten oder in Somalia). Hinzu trat die Entwicklung von Terrorgruppen wie Al Kaida oder Boko Haram. Die Zivilbevölkerung war und ist weiterhin das Hauptziel und der Leidtragende dieser Entwicklungen. So es entwickelte sich ein generelles System von Flucht und Migration.

Der Zerfall Libyens nach dem Sturz Ghaddafis verstärkte dies und öffnete den Durchgang für Migranten und Flüchtlinge zur nordafrikanischen Küste – zumeist auf den traditionellen Karawanenrouten. Parallel dazu aber zog der Zerfall staatlicher Strukturen den internationalen Rauschgifthandel mit dem Hauptziel Europa an sich. Insgesamt haben wir heute eine Parallelität von Flucht und Migration und dem Rauschgift-, Waffen- und Menschenhandel, in dem extrem viel Geld verdient wird. Dieser Handel ist gut organisiert und beliefert Europa und Vorderasien stetig und verlässlich. Die Bedeutung der verschiedenen Transitrouten wird dabei je nach Druck der europäischen Politik wechseln. Der überwiegende Teil der Flüchtlinge wird aber von den jeweiligen Nachbarstaaten aufgenommen.

Karte der Hauptrouten von Flucht-und Migration sowie des Rauschgift-, und Menschenhandels in Afrika, dem Nahen Osten und in Europa. (Migrationen von EU-Bürgern sind nicht dargestellt, ebenso wird auf Mengenangaben verzichtet.). Almohammed und Schulz 2018.
Die Situation von 1989

Steigende Niederschläge halfen Nomaden und Ackerbauern. Die internationalen Handelsverbindungen wurden ausgebaut und die Exploration von Rohstoffen ließ auf Arbeitsplätze hoffen.

Die Situation von 1990 bis 1995

Die Rebellion der Tuareg in Nord-Niger und Nord-Mali mit Forderungen nach größerer Autonomie mündete in einen offenen Krieg mit den Zentralregierungen und der Unterbrechung der zivilen Handels- und Verkehrsverbindungen. Friedensverhandlungen führten zur Dezentralisierung und zur Neuordnung des Staates Niger. In diesen Jahren etablierten sich aber auch islamistische und terroristische Gruppen wie Al Kaida oder Boko Haram, die mit dem wachsenden internationalen und gut organisierten Schmuggel-Handel mit Zigaretten und harten Drogen kooperierten.

Die Situation von 2008

Die Lage der Zivilbevölkerung hatte sich verbessert. Die Handels-und Verkehrsverbindungen waren wieder etabliert. Die Durchführung der Dezentralisierung aber war langwierig und enttäuschend. Islamistisch-terroristische Gruppen wurden zunehmend aktiv. Die größte Gefahr für die Zivilbevölkerung wurden aber die zunehmenden Minenfelder.

Die Situation von 2011-2013 und der folgenden Jahre

Die massenhafte Rückkehr bewaffneter Gruppen nach dem Zerfall Libyens führten zu Kämpfen in Nord Mali mit einer Abspaltung /Unabhängigkeit des Azawad. Die Zivilbevölkerung in Nord Niger und Nord Mali wurde zunehmend isoliert. Die diversen islamistisch-terroristischen Gruppen verbündeten sich mit den Rauschgift-Händlern, die auch den Transport von Flüchtlingen und Migranten organisierten. Der Weg durch Libyen war für sie frei, obwohl die Grenze für den zivilen Verkehr offiziell gesperrt war. Niger und Mali wurden somit Durchgangsländer für Flucht und Migration. Diese Situation führte zum Eingriff der französischen Armee und in der Nachfolge von MINUSMA.

Literatur (Auswahl)

Clochard, O.(Hrsg.. 2017. Atlas des migrants en Europe. Armand Colin, Paris, 173p

Edition Le monde diplomatique. 2008. Immer der Arbeit nach. Nr. 4. Berlin, 112.p.

Kühne, W. 2013. Westafrika und der Sahel im Sog der organisierten Kriminalität und des internationalen Terrorismus- zum Start der UN-Mission in Mali. ZIf, Policy briefing, Berlin, 8p.

OICS.2013. Rapport de l´organe international de controle des stupéfiants pour 2012. UN New York, 125p.

Ousseini, I., Adamou, A. und Schulz,E. 2009. Landmines, drugs and justice. The recent history of two Saharan mountains (Adrar des Iforas/Mali and Air Mts./Niger. In: Runge 1., Baumhauer, R. (Hrsg.) Palaeoecology of Africa, 29, London, 211-238.

TOCTA 2010. The globalisation of crime. UN, New York, 203 p.

UNODC 2013. Transnational organized crime in Africa. UN, New York, 62p.

Weiterführende Links

Hussein Almohamad lehrt und forscht am Institut für Geographie an der Universität Gießen. Geographische Arbeitsgebiete: Naher Osten, Klima, Ressourcenmanagement.

Sani Ibrahim lehrt und forscht am Département de Géographie an der Université de Niamey, Rep. Du Niger. Geographische Arbeitsgebiete: Landschaftsgeschichte, Ressourcenmanagement.

Dr. rer. nat. Prof. h.c. (Cluj) Erhard Schulz lehrt und forscht am Institut für Geographie und Geologie der Universität Würzburg. Geographische Arbeitsgebiete: Landschafts- und Vegetationsgeschichte.

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